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Briefe für den Bauern

Mittwoch, Januar 24th, 2007

Zinnober hält Feldpost zunächst für einen schlechten Scherz, dann für eine bisher unbekannte Form der postalischen Beförderung von Mitteilungen in der Landwirtschaft. Zum Glück hat Dr. Phil sich von seiner Grippe erholt und bringt Licht ins Dunkel. feldpost1.jpg

Ihr kennt das doch bestimmt! Vor Weihnachten verfallen alle in einen nicht enden wollenden Shopping-Rausch. Meine Mutter zum Beispiel findet es absolut zulässig, zwischen dem 1. und dem 4. Advent jeden Weihnachtsmarkt im Umkreis von 100 Kilometern zu besuchen, um dort nach Geschenken und Weihnachtsfirlefanz zu stöbern. Mir wird schon schlecht, wenn ich nur an den Geruch von Glühwein und Räucherstäbchen denke. Wenn ich also lieber die Zeit und das schlechte Wetter nutzen würde, um mal wieder ein paar Kilo Marken abzulösen, werde ich gnadenlos zu den Märkten mitgeschleift.

Ein Weihnachtswunder

Dieses Jahr – am 2. Advent – war aber alles anders. Wir spazierten im Nachbarort über die Weihnachtskirmes, es regnete und war auch sonst ungemütlich. Da erblickte ich zwischen Tannenbäumen und Stroh-Rentieren den kleinen Stand eines Briefmarkenhändlers. Ein Wunder war geschehen! Er hatte zwar hauptsächlich Belege und Marken mit Bezug zu Weihnachten dabei, aber es gab auch einen großen Karton mit Bedarfspost. Den stöberte ich durch und stieß nach kurzer Zeit auf zwei Postkarten – die waren mit Marken der Deutschen Bundespost frankiert, der Stempel wies aber eine Postleitzahl auf („1200“), die ich noch nie gesehen hatte, und zusätzlich waren auf den Karten ein Igel und der Vermerk „Feldpost“ abgedruckt. Wegen des Stempels hielt ich die Karten zunächst für miese Fälschungen. Dann dachte ich, dass das vielleicht Post speziell für Landwirte sein könnte, wenn die gerade auf dem Feld arbeiten und nicht zu Hause sind. Also kaufte ich kurzerhand die Belege für 50 Cent und glaubte, damit hätte ich ein schönes Weihnachtsgeschenk für Dr. Phil.

Aus – der Weihnachtstraum!

Nun war ich sehr neugierig, was Dr. Phil davon hält. Deshalb wartete ich nicht bis Heilig Abend, sondern überreichte ihm das „Vorweihnachtsgeschenk“ noch am selben Tag. Als er es auspackte, sprang er aber nicht vor Begeisterung an die Decke, sondern guckte nur gelangweilt. Nein, meinte er, das sei keineswegs eine landwirtschaftlich-philatelistische Sensation, sondern schlicht ein Stück Massenware. Feldpost, dozierte Dr. Phil, sei eine Einrichtung der Bundeswehr, um ihre Soldaten mit Post zu versorgen, wenn die im Einsatz sind. Denn dann hätten Soldaten ja keine feste Anschrift, an die man schreiben kann. Für solche Fälle würde die Bundeswehr dann extra Feldpostämter mit eigenen Postleitzahlen einrichten (hier stand die „1200“ für das Feldpostamt Niebüll). Das konnte ich ja soweit noch verstehen – dann aber schaute ich noch mal auf die beiden Karten und wies Dr. Schlauberger darauf hin, dass weder Absender noch Empfänger der Karten offenbar Soldaten seien. Wie könne das denn Feldpost sein, fragte ich im sicheren Gefühl, Dr. Phil diesmal auf dem falschen Fuß erwischt zu haben.

Üben, üben, üben!

Mein Triumph dauerte aber nur drei Sekunden – bis Dr. Phil mit seiner Antwort begann: Es handele sich um Belege aus einer so genannten Feldpost-Übung, welche die Bundeswehr durchführte, damit die Truppen im Ernstfall auch reibungslos mit Post versorgt werden könnten. Und damit die Feldpostämter ordentlich was zum Üben bekamen, rief die Bundeswehr damals auch in der philatelistischen Presse zur Einlieferung von Belegen durch Privatpersonen auf – an die 50000 Stücke sollen damals im Rahmen der Übung „Holsatia“ befördert worden sein. Meine Karten waren also zwar echt gelaufen, aber letztlich eine reine Übungssache.

Zinnober Zacke

Dr. Phil informiert
Feldpost ist ein sehr weites Sammelgebiet, da es entsprechende Post-Beförderungen in vielen Ländern schon seit dem Mittelalter gibt. Einige Staaten haben sogar extra Feldpost-Marken verausgabt. Aus deutscher Sicht wird das Sammeln von Feldpost durch den zunehmenden Einsatz der Bundeswehr im Ausland (Afghanistan, Kongo etc.) immer interessanter, da die Anzahl an Belegen aus regulären Feldpost-Einsätzen ansteigt. Einen prima Überblick zum Thema bekommt Ihr im Internet unter http://www.bw-feldpost.de/.